Homeoffice: So nutzen Beschäftigte ihre Arbeitszeit.
Das Homeoffice hat den Arbeitsalltag vieler Menschen in Europa grundlegend verändert. Der Laptop steht auf dem Küchentisch, das Smartphone liegt griffbereit daneben und die Grenzen zwischen Job und Privatleben verschwimmen schneller, als es früher vorstellbar war. Besonders die Arbeitszeit im Homeoffice wird dabei flexibler genutzt als im klassischen Büroalltag.
Studie zum Arbeitsverhalten im Homeoffice in Europa
Eine aktuelle Homeoffice-Studie in Europa liefert detaillierte Einblicke in das Arbeitsverhalten von Beschäftigten, die regelmäßig von zu Hause aus arbeiten. Die Untersuchung zeigt deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern. Vor allem Deutschland nimmt im europäischen Vergleich eine besondere Rolle ein.
Grundlage der Ergebnisse ist eine repräsentative YouGov Befragung, die im Auftrag des Onlinehändlers Galaxus durchgeführt wurde. Befragt wurden mehr als 5.000 berufstätige Personen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Frankreich und Italien. Ziel der Studie war es herauszufinden, wie konsequent Menschen im Homeoffice arbeiten und wie häufig private Tätigkeiten während der Arbeitszeit stattfinden.
Private Tätigkeiten im Homeoffice während der Arbeitszeit
Kochen, private Nachrichten beantworten oder kurz online einkaufen, solche Tätigkeiten gehören für viele Beschäftigte längst zum Alltag im Homeoffice. Wo direkte Kontrolle fehlt, ist die Versuchung groß, berufliche Aufgaben mit privaten Erledigungen zu vermischen.
Die Ergebnisse der Studie sind eindeutig. Rund 80 Prozent der Befragten geben offen an, während der offiziellen Arbeitszeit im Homeoffice privaten Aktivitäten nachzugehen. Dabei handelt es sich zwar um Selbstauskünfte, dennoch zeichnen sie ein klares Bild moderner Arbeitsgewohnheiten.
Homeoffice in Deutschland im Vergleich zu Europa
Im europäischen Vergleich schneidet Deutschland beim Thema Arbeitsdisziplin im Homeoffice auffallend gut ab. Knapp ein Drittel der Beschäftigten gibt an, die Arbeitszeit vollständig für berufliche Aufgaben zu nutzen. In Ländern wie Frankreich oder Italien ist dieser Anteil deutlich geringer.
Deutschland nimmt damit eine Sonderstellung ein, wenn es um konsequentes Arbeiten von zu Hause geht.
Unterschiede nach Alter und Geschlecht
Besonders deutlich sind die Unterschiede zwischen den Altersgruppen. Jüngere Arbeitnehmer unter 30 Jahren nutzen ihre Arbeitszeit im Homeoffice deutlich häufiger für private Zwecke. Viele von ihnen verbringen täglich mehr als eine Stunde mit sozialen Netzwerken, Telefonaten oder sportlichen Aktivitäten.
Mit zunehmendem Alter sinkt dieser Anteil spürbar. Ähnliche Muster zeigen sich auch im Büro, wenn auch weniger stark ausgeprägt als im Homeoffice. Zwischen Männern und Frauen gibt es hingegen kaum Unterschiede. Beide Geschlechter nutzen ihre Arbeitszeit in vergleichbarem Umfang für private Tätigkeiten.
Ob jüngere Beschäftigte dadurch weniger leisten oder ihre Aufgaben effizienter erledigen und sich bewusst Freiräume schaffen, lässt sich aus der Studie nicht eindeutig ableiten. Auch zur Auswirkung privater Unterbrechungen auf die Arbeitsqualität trifft die Untersuchung keine konkreten Aussagen.
Schuldgefühle, Kontrolle und Verbreitung von Homeoffice
Ein weiterer Aspekt der Studie betrifft das persönliche Empfinden der Beschäftigten. In Österreich berichten viele Arbeitnehmer von Schuldgefühlen, wenn sie während der Arbeitszeit private Dinge erledigen. In Italien ist dieses schlechte Gewissen deutlich weniger verbreitet. Deutschland liegt im europäischen Mittelfeld.
Auffällig ist zudem, dass mehr als ein Drittel der Beschäftigten in Deutschland überhaupt nicht im Homeoffice arbeitet, sondern ausschließlich vor Ort. In anderen europäischen Ländern ist das Arbeiten von zu Hause deutlich stärker etabliert.
Produktivität im Homeoffice: Pausen als Erfolgsfaktor
Abseits der Diskussion um Arbeitszeitbetrug lohnt sich ein differenzierter Blick auf das Thema Produktivität im Homeoffice. Zahlreiche wissenschaftliche Studien zeigen, dass regelmäßige Pausen die Leistungsfähigkeit steigern können.
Schon kurze Unterbrechungen helfen dabei Müdigkeit abzubauen, die Konzentration zu verbessern und langfristig gesund zu bleiben. Entscheidend ist die Pause bewusst anders zu gestalten als die eigentliche Arbeit. Bewegung statt Sitzen, Austausch statt Isolation und möglichst wenig Bildschirmzeit.
Ein kurzer Spaziergang kann dabei sogar den klassischen Arbeitsweg ersetzen und positiv zur mentalen Gesundheit beitragen.
Zwischen Kontrolle und Freiheit im Homeoffice
Die Ergebnisse der europäischen Homeoffice Studie zeigen deutlich, dass private Tätigkeiten während der Arbeitszeit kein rein deutsches Phänomen sind. Entscheidend ist weniger die strikte Kontrolle einzelner Minuten, sondern vielmehr ob die Arbeitsergebnisse stimmen und Beschäftigte langfristig leistungsfähig bleiben.
Zwischen vollständiger Kontrolle und maximaler Freiheit liegt ein sinnvoller Mittelweg. Unternehmen und Arbeitnehmer sind gleichermaßen gefordert moderne Arbeitszeitmodelle im Homeoffice so zu gestalten, dass Produktivität, Vertrauen und Wohlbefinden im Einklang stehen.