EU Inc: Die neue einheitliche Unternehmensform für europäische Startups.

Seit Jahren wünschen sich Gründer in Europa eine einfache und grenzüberschreitende Unternehmensform. Mit EU Inc könnte nun die erste einheitliche Rechtsform für europäische Startups Realität werden. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen kündigte das Projekt auf dem World Economic Forum in Davos an. Ziel ist es, Unternehmensgründungen in der EU einfacher, schneller und digital möglich zu machen.

Was ist EU Inc?
EU Inc bezeichnet ein neues 28. Regime, einen zusätzlichen Rechtsrahmen für Unternehmen in allen EU-Mitgliedstaaten. Neben den bestehenden nationalen Regelungen soll es ein standardisiertes System geben, das Investitionen, Mitarbeiterbeteiligungen und Expansionen erleichtert. Die Initiative wird von führenden Gründern und Investoren unterstützt und soll vor allem Startups zugutekommen, die in mehreren europäischen Ländern tätig sein wollen.

Die Idee kommt aus der Startup-Community
Die Initiative für EU Inc startete im Oktober 2024 unter der Leitung von Simon Schäfer. Schäfer ist Mitbegründer des Berliner Startup-Campus Factory Berlin und leitet heute Allied for Startups, ein europäisches Netzwerk verschiedener Startups. Mehr als 13.000 Unterstützer, darunter prominente Unternehmer wie Anton Osika, Arthur Mensch und Bastian Nominacher, unterzeichneten die Petition an die EU-Kommission.

Warum Europa eine einheitliche Unternehmensform braucht
Die Startup-Szene kämpft derzeit mit komplizierten nationalen Regelungen. In Deutschland wird typischerweise eine GmbH gegründet, in Frankreich eine SARL und in den Niederlanden eine B.V. Jede Rechtsform bringt eigene steuerliche Vorschriften und bürokratische Hürden mit sich. Für Investoren aus anderen Ländern bedeutet das zusätzliche Komplexität, die in vielen Fällen abschreckend wirkt. EU Inc soll einheitliche Bedingungen schaffen und die Rechtsunsicherheit beseitigen.

Digital und unkompliziert: Unternehmensgründung in 48 Stunden 
Ein zentrales Versprechen der EU-Kommission ist die Möglichkeit, Unternehmen innerhalb von 48 Stunden online zu registrieren. Die Kapitalstruktur soll EU-weit einheitlich sein, sodass Startups ohne zusätzliche bürokratische Hürden in allen Mitgliedstaaten tätig werden können. Bisher dauern Gründungen in vielen Ländern mehrere Wochen und sind mit hohen Notarkosten verbunden, was internationale Investoren abschreckt.

Investitionen und Venture Capital leichter machen
Besonders für kleine Startups aus Ländern mit weniger entwickelten Venture-Capital-Märkten wie der Slowakei oder Ungarn könnte EU Inc neue Möglichkeiten eröffnen. Investoren müssen nicht länger nationale Regelungen studieren und können grenzüberschreitend investieren. Einheitliche Vorschriften für Wagniskapital und Minderheitsrechte sollen Investitionen transparenter und einfacher machen.

Digitale Verwaltung und Transparenz
Die Initiatoren planen eine vollständig digitale Verwaltung von Unternehmensdaten. Dazu gehören ein EU-weites Unternehmensregister, Echtzeit-Zugriff auf Gesellschafterlisten und ein zentrales Dashboard für Verträge und Dokumente. Dies soll die Effizienz von Verwaltung und Reporting erheblich steigern und Startups administrative Lasten nehmen.

Unterstützung aus Deutschland
Der Bundesverband Deutsche Startups unterstützt die EU Inc-Initiative. Geschäftsführer Christoph Stresing sieht darin eine Chance, Bürokratie zu reduzieren und Gründungen attraktiver zu machen. Allein bei Notarkosten könnten deutsche Startups beträchtliche Summen einsparen. Gleichzeitig betont der Verband, dass die neue Gesellschaftsform eine zusätzliche Option sein sollte. Nationale Modelle wie die GmbH sollen weiterhin bestehen bleiben und frei gewählt werden können.

Nächste Schritte für EU Inc
Die EU-Kommission plant, den Gesetzesvorschlag noch im ersten Quartal 2026 vorzulegen und anschließend an das Europäische Parlament zu übergeben. Die tatsächliche Umsetzung könnte allerdings einige Jahre dauern, wie ein Blick auf die Einführung der europäischen Aktiengesellschaft zeigt, die 31 Jahre benötigte. Startups und Investoren sind dennoch optimistisch, dass EU Inc die Gründungslandschaft in Europa nachhaltig verändern wird.