Betriebe halten an der dualen Ausbildung fest.
Die duale Ausbildung bleibt für Unternehmen auch 2026 von großer Bedeutung. Das zeigt die aktuelle DIHK-Ausbildungsumfrage (Mai 2026), an der sich 14.058 Unternehmen aus verschiedenen Branchen und Regionen beteiligt haben. Gleichzeitig stehen die Ausbildungsbetriebe vor erheblichen Herausforderungen: Die wirtschaftliche Lage belastet das Ausbildungsangebot, geeignete Bewerberinnen und Bewerber sind schwer zu finden und strukturelle Probleme erschweren die Besetzung von Ausbildungsplätzen.
Dennoch bleibt die Ausbildungsbereitschaft insgesamt stabil. Sieben von zehn Ausbildungsbetrieben bieten genauso viele oder mehr Ausbildungsplätze an als im Vorjahr. Auch bei der Übernahme nach der Ausbildung zeigt sich, dass die Unternehmen weiterhin stark auf ihre selbst ausgebildeten Fachkräfte setzen.
Wie entwickelt sich das Ausbildungsangebot 2026?
Die wirtschaftliche Lage wirkt sich zunehmend auf das Ausbildungsangebot der Unternehmen aus. 29 % der Betriebe bieten 2026 weniger Ausbildungsplätze an als im Vorjahr. Gleichzeitig weiten 13 % der Unternehmen ihr Ausbildungsangebot aus.
Insgesamt bleibt die Ausbildungsbereitschaft jedoch stabil: Sieben von zehn Ausbildungsbetrieben bieten genauso viele oder mehr Ausbildungsplätze an als im Vorjahr.
Wie stark die wirtschaftliche Entwicklung die Ausbildungsplanung beeinflusst, zeigt der Vergleich der Geschäftserwartungen. Von den Unternehmen mit negativen Geschäftserwartungen reduzieren rund vier von zehn Betrieben ihr Ausbildungsangebot. Bei Unternehmen mit positiven Geschäftserwartungen liegt dieser Anteil bei 26 %.
Neben der Konjunktur spielen auch strukturelle Faktoren eine wichtige Rolle. Bei den Betrieben, die ihre Zahl an Ausbildungsstellen verringern, nennt jeder vierte fehlende geeignete Bewerberinnen und Bewerber als Grund. Jeder fünfte Betrieb verweist auf schlechte Erfahrungen mit Auszubildenden.
Auch Unternehmen, die sich vollständig aus der Ausbildung zurückziehen, nennen vor allem diese beiden Gründe: 37 % führen den Mangel an geeigneten Bewerberinnen und Bewerbern an, 27 % schlechte Erfahrungen mit Auszubildenden.
Warum können Unternehmen Ausbildungsplätze nicht besetzen?
Die Besetzung von Ausbildungsplätzen bleibt für viele Unternehmen schwierig. 2025 konnte rund die Hälfte der Betriebe nicht alle angebotenen Ausbildungsplätze besetzen.
Der langfristige Trend zeigt eine deutliche Verschärfung der Situation: 2015 hatten 31 % der Betriebe Probleme bei der Besetzung ihrer Ausbildungsplätze. 2025 lag der Anteil bereits bei 49 %. Damit ist der Anteil der Unternehmen mit Besetzungsproblemen um deutlich mehr als die Hälfte gestiegen.
Nach Einschätzung der DIHK könnten die tatsächlichen Schwierigkeiten sogar noch größer sein. Unternehmen reduzieren ihr Ausbildungsangebot teilweise bereits, weil sie bestehende Hindernisse bei der Besetzung ihrer Ausbildungsplätze erwarten.
Eine zentrale Rolle spielt dabei das sogenannte Matching. Angebot und Nachfrage passen häufig nicht hinsichtlich Qualifikation, Region oder Beruf zusammen.
Zwar hat sich der allgemeine Mangel an Bewerbungen in den vergangenen vier Jahren etwas abgeschwächt. Die Suche nach geeigneten Bewerberinnen und Bewerbern bleibt jedoch schwierig. Rund zwei Drittel der Betriebe mit Problemen bei der Besetzung ihrer Ausbildungsplätze nennen fehlende geeignete Bewerbungen als größtes Hindernis.
Neben diesen qualifikatorischen Passungsproblemen kommen zunehmend Vertragslösungen bereits kurz nach Beginn der Ausbildung hinzu.
Besonders stark betroffen sind einzelne Branchen. In der Industrie ohne Baugewerbe, im Bereich Verkehr (inkl. Transport und Logistik), im Baugewerbe sowie im Handel konnten jeweils mehr als 50 % der Betriebe nicht sämtliche Ausbildungsplätze besetzen.
Welche Kompetenzen fehlen Ausbildungsbewerberinnen und -bewerbern?
Nicht nur die Zahl der Bewerbungen stellt die Unternehmen vor Herausforderungen. Auch fehlende Grundkompetenzen erschweren den Einstieg in die Ausbildung.
Rund die Hälfte der Betriebe berichtet regelmäßig von Problemen beim Arbeits- und Sozialverhalten. Besonders häufig geht es dabei um die Belastbarkeit. Fast ebenso oft nennen die Unternehmen Defizite bei den kognitiven Kompetenzen.
Bei etwa vier von zehn Unternehmen zeigen sich regelmäßig Defizite in Mathematik, beim wirtschaftlichen Grundwissen oder in Deutsch.
Weitere Lücken gibt es bei den Naturwissenschaften und in Englisch. Etwa jeder vierte Betrieb beobachtet Defizite in den Naturwissenschaften, jeder fünfte Betrieb stellt entsprechende Defizite in Englisch fest. Auch bei der Berufswahlkompetenz sieht jeder vierte Betrieb häufige Mängel. Dies kann wiederum auf berufliche Passungsprobleme hinweisen.
Die Unternehmen reagieren darauf nicht grundsätzlich mit Ablehnung. Drei von vier Betrieben, die solche Defizite feststellen, sind bereit, auch Auszubildende mit entsprechenden Startschwierigkeiten aufzunehmen. Unterstützung kann beispielsweise durch zusätzliche Nachhilfe erfolgen.
Wie wichtig ist bezahlbarer Wohnraum für Auszubildende?
Neben Qualifikation und Eignung der Bewerberinnen und Bewerber wird auch die Wohnsituation zu einem wichtigen Faktor für die Ausbildung.
Fast zwei Drittel aller Betriebe sehen konkreten Handlungsbedarf beim Mangel an bezahlbarem Wohnraum für Auszubildende. Das gilt für die Mehrheit der Unternehmen in allen 16 Bundesländern.
Besonders ausgeprägt ist die Situation in den Stadtstaaten Berlin und Hamburg. Dort sehen jeweils neun von zehn Betrieben Handlungsbedarf.
Vier von zehn Unternehmen wünschen sich von der Politik unter anderem bessere Informationen und einen leichteren Zugang zu finanziellen Unterstützungsangeboten für Auszubildende. Genannt werden beispielsweise die Berufsausbildungsbeihilfe und Wohngeld.
Damit verbunden ist vor allem der Wunsch nach weniger Bürokratie. Darüber hinaus fordern Unternehmen Programme zur Vermittlung von Wohnraum.
Welche Chancen bieten Auszubildende aus Drittstaaten?
Auch die Gewinnung von Auszubildenden aus Drittstaaten gewinnt für Unternehmen an Bedeutung. Mehr als die Hälfte der Betriebe sieht darin eine Möglichkeit, den eigenen Fachkräftebedarf langfristig zu sichern.
Rund ein Drittel der Unternehmen hat bereits versucht, Auszubildende aus Drittstaaten zu gewinnen. Bei neun von zehn dieser Betriebe war die Suche erfolgreich.
Gleichzeitig bestehen weiterhin Herausforderungen. Als größte Hürden nennen die Unternehmen fehlende Deutschkenntnisse zu Beginn der Ausbildung und bürokratische Hindernisse. An dritter Stelle steht der Mangel an bezahlbarem Wohnraum.
Für Auszubildende aus Drittstaaten ist die Wohnungssuche häufig besonders schwierig, da ihnen oftmals sowohl ausreichende soziale Netzwerke als auch Informationen über den regionalen Wohnungsmarkt fehlen.
Wie viele Auszubildende werden nach der Ausbildung übernommen?
Trotz Wirtschaftskrise, hoher Standortkosten – etwa für Energie und Bürokratie – sowie geopolitischer Unsicherheiten bleibt die duale Ausbildung für die Unternehmen ein wichtiger Bestandteil ihrer Fachkräftesicherung.
Vier von fünf Betrieben übernehmen mindestens 75 % ihrer Ausbildungsabsolventinnen und -absolventen. Rund zwei Drittel übernehmen sogar alle Absolventinnen und Absolventen in Beschäftigung.
Auch bei der weiteren Qualifizierung setzen die Unternehmen auf ihre ehemaligen Auszubildenden: 84 % der Betriebe möchten ihre Ausbildungsabsolventinnen und -absolventen künftig bei zusätzlichen Qualifizierungen unterstützen.
Duale Ausbildung bleibt wichtiger Bestandteil der Fachkräftesicherung
Die DIHK-Ausbildungsumfrage 2026 zeigt ein ambivalentes Bild: Die wirtschaftliche Lage belastet das Ausbildungsangebot, gleichzeitig bleiben Ausbildungsplätze in vielen Unternehmen schwer zu besetzen. Fehlende geeignete Bewerberinnen und Bewerber, Defizite bei grundlegenden Kompetenzen, berufliche und regionale Passungsprobleme sowie fehlender bezahlbarer Wohnraum erschweren die Suche nach Auszubildenden.
Trotz dieser Herausforderungen halten die Betriebe an der dualen Ausbildung fest. Die hohe Übernahmequote und die Bereitschaft zur weiteren Qualifizierung zeigen, dass Unternehmen ihre selbst ausgebildeten Fachkräfte auch langfristig an sich binden möchten. Aus Sicht der DIHK bietet die duale Ausbildung damit weiterhin gute Berufs- und Karriereperspektiven.
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